Antifa-Demo

Spanische Tageszeitung berichtet über fotopia

Die spanischsprachige Online-Tageszeitung eldiario.es hat bereits letztes Jahr ein Interview mit uns geführt. Daraus ist ein Artikel über die unkommerzielle Fotoplattform für soziale Bewegungen entstanden. Den Artikel haben wir anlässlich unserer Spendenkampagne zum voraussichtlichen Start von fotopia im Jahr 2021 erstmals auf Deutsch übersetzt.

Eine Fotodatenbank, die soziale Kämpfe zeigt und fördert 

Eine Gruppe von Aktivist*innen erstellt in Deutschland eine Fotothek, die Bilder von sozialen Protesten beinhaltet. Sie soll die Zivilgesellschaft mit Bildern versorgen, um Kämpfe sichtbarer zu machen. „Wir wollen eine Non-Profit-Fotoagentur für soziale Bewegungen sein“, sagen die Verantwortlichen gegenüber eldiario.es

Von Aldo Mas, 5. Januar 2019, 20:37 Uhr 

Bei jeder Demonstration oder öffentlichen Veranstaltung werden unzählige Fotos aufgenommen. Was mit den von Fotojournalist*innen aufgenommenen Bildern passiert, kann man sich noch leicht vorstellen. Schwieriger ist es eine Vorstellung davon zu bekommen, wo die Amateurbilder landen.

Nach jeder Demonstration ist es das Gleiche: Was passiert mit den Fotos, die Einzelpersonen machen? Warum ist es für soziale Bewegungen so schwierig, an gutes Bildmaterial zur Illustration ihrer Publikationen, Flugblätter oder Websites zu kommen? Das sind die Fragen, die sich Laines Rumpff seit Jahren stellt.

Der 39-jährige Designer ist seit zwei Jahrzehnten für fortschrittliche soziale Bewegungen in Deutschland aktiv. Er hat Publikationen aller Art für verschiedenste Anlässe und Bewegungen gestaltet. Wenn es darum ging, Bilder zur Illustration von kämpferischen Texten zu finden und zu verwenden, war er stets mit einem Vakuum konfrontiert.

Dieser Situation überdrüssig, hat Rumpff Fotopia gegründet, die erste Bilddatenbank für soziale Bewegungen. Mit ihm arbeitet ein Team aus drei weiteren Personen, die den Mangel an hochwertigen Fotos von progressiven Mobilisierungen beenden wollen.

„Fotopia entstand aus der Not heraus. Es gibt keine Plattform, keine Webseite, auf der Fotos von aktuellen Demonstrationen oder Veranstaltungen zu soziale Themen verfügbar sind. Viele Leute machen zwar Fotos, aber dann werden die Fotos nicht verwendet.“ sagt Rumpff.

Er weiß aus Erfahrungen, dass es auf Plattformen wie Wikimedia Commons, zu der jeder beitragen kann und in der sich 51,5 Millionen Multimediadokumente befinden, „oft vorkommt, dass die Fotos nicht aktuell sind“. „Für uns sind die wichtigen Bilder die aktuellen, wie die der großen Demonstration gegen Rassismus vor einigen Wochen in Berlin“, sagt Rumpff und meint damit die große Versammlung, die im vergangenen Oktober die Straßen Berlins überflutete. Die Organisator*innen zählten 250.000 Demonstrant*innen.

„Wir wollen eine Non-Profit-Fotoagentur für soziale Bewegungen sein“, betont Rumpff und unterscheidet sein Projekt von Flickr, einer Website der amerikanischen Firma SmugMug, auf der Nutzer*innen Bilder speichern und veröffentlichen können. „Flickr ist eine der größten Quellen für lizenzfreie Bilder. Viele Fotograf*innen der sozialen Bewegung speichern ihre Bilder dort“, sagt Rumpff. „Fotograf*innen verlieren dort aber die Kontrolle über ihre Bilder, sobald die Fotos auf Flickr veröffentlicht wurden“, erklärt er.

Ein politisches Projekt basierend auf Bildern

Rumpff sieht in diesem Mangel an Transparenz eine Chance für Fotopia. In dem Projekt haben sich außer ihm unter anderem noch eine Kommunikationsdesignerin und ein digitaler Archivar zusammengefunden. Alle haben das Ziel, die Suche nach Fotos, die soziale Bewegung illustrieren, zu vereinfachen.

„Es handelt sich um einen kostenlosen Service, mit dem Fotograf*innen, die ihre Fotos hochladen, die Kontrolle darüber behalten, was mit ihren Bildern passiert. Das ist das Mindeste, was wir für sie tun können“, sagt Rumpff. Wenn ein Medienunternehmen an einem Bild interessiert ist, könnte Fotopia als Vermittlerin zwischen der Fotografin und der betreffenden Firma fungieren. Fotopia wird dafür keine Gebühren berechnen.

„Wir sind nicht politisch neutral, wie andere Plattformen es vielleicht sind. Wir sind Teil sozialer Bewegungen“, sagt Rumpff. „Deswegen werden wir nicht zulassen, dass rechte Gruppen, wie beispielsweise die Alternative für Deutschland (AFD) unsere Bilder verwenden“, sagt er.

Er spielt auf die deutsche rechte Partei an, die nach den Parlamentswahlen 2017 in den Bundestag eingezogen ist: „Zum Beispiel werden wir nicht mit konservativen Bewegungen wie den Abtreibungsgegner*innen zusammenarbeiten. Denen wollen wir nicht behilflich sein.“

Er spricht dabei auch im Namen der anderen Teammitglieder, die größtenteils um die 30 Jahre alt sind. Nebenbei zeigt er eindrucksvolle Bilder der Besetzungen von Kohlebergbaugebieten in Deutschland oder von Polizisten in Kampfmontur und Demonstrant*innen beim G20-Treffen in Hamburg vor eineinhalb Jahren. Das sind die Art von Fotos, die funktionieren.

Eine digitale Infrastruktur im Werden

Das Projekt hat noch nicht offiziell das Licht der Welt erblickt. Rumpff und sein Team sind auf eine Finanzierung angewiesen. Sie starteten eine Crowdfunding-Kampagne, die erfolglos blieb und bitten nun um Spenden, um Fotopia Wirklichkeit werden zu lassen. Die Gruppe kommt hauptsächlich aus Potsdam, einer Stadt in Ostdeutschland, die sehr nahe an Berlin liegt. Sie musste erkennen, dass es in dem Teil der Gesellschaft, auf den sie abzielt, nämlich die Aktivist*innen und Organisator*innen der soziale Bewegungen, an finanziellen Ressourcen mangelt. „In Deutschland haben, soweit ich abschätzen kann, Linke nicht viel Geld zum Verteilen“, beklagt Rumpff.

Aber es gibt keinen Mangel an sozialen Bewegungen. „In Lateinamerika gibt es viele soziale Kämpfe, mehr als in Europa, wo es auch einige gibt. Unser Projekt hat großes internationales Potenzial, da Probleme wie der Klimawandel nicht auf nationaler Ebene gelöst werden, sondern nur durch internationale Vernetzung.“ unterstreicht er.

Original-Quelle: https://www.eldiario.es/sociedad/banco-imagenes-movimientos-sociales_1_1765635.html

Foto: CC BY-NC 2.0, Brainbitch, flickr.com, „Demo 1. Mai 2015 Hamburg“