Facebook

Frage und Antwort auf Facebook

Unser kleines Erklärvideo zur Idee von fotopia fand ja große Beachtung. Bis jetzt über 700 Aufrufe allein bei Facebook. Das hat uns sehr gefreut. Die Kommentare waren größtenteils kritisch. Es gab auch ablehnende. Das macht uns aber gar nichts aus. Wir mögen es, wenn ihr das Projekt hinterfragt. Nur so können wir besser werden und auf die Sorgen und Wünsche potentieller späterer Nutzer*innen eingehen. Hier lest ihr eine Auswahl kritischer Fragen und unsere Antworten.

Unsere Antworten haben wir jeweils um die Anrede und dem Dankeschön für den Kommentar leicht gekürzt.

 

Jonas: Nices Projekt. Und tolle Initiativen bekommen von mir auch gerne unkommerziell Fotos. Aaaber: inwiefern bringt mir diese Plattform als freischaffender Fotograf etwas, wenn ich doch in diesem System darauf angewiesen bin, mit meinen Erzeugnissen Geld zum Leben und für meine Ausrüstung zu verdienen? Lässt sich nicht zumindest die Möglichkeit einbauen, dass Projekte oder Initiativen im Rahmen ihrer Möglichkeit den Fotografen entlohnen können? Ich sehe die Gefahr, dass alle möglichen Projekte und Medien anfangen, lieber hier Bilder kostenfrei zu nutzen, als engagierte Fotografen ordentlich zu unterstützen.

Fotopia: Wir haben uns große Gedanken darüber gemacht, was dieses Projekt für die ohnehin schon prekäre Situation freischaffender Fotograf*innen bedeutet. Fotopia wird in jedem Fall Möglichkeiten anbieten, für die Urheber*innen der Fotos zu spenden. Und das leicht und unkompliziert.

Fotopia soll niemanden dazu bewegen Fotos an emanzipatorische unkommerziell und ehrenamtlich arbeitende Projekte zu spenden, der*die es nicht will und/oder keine finanziellen Spielräume hat. Fotopia richtet sich eher an diejenigen, die bereits heute schon Fotos unter freien Lizenzen ins Netz stellen, dies aber bei privatwirtschaftlich arbeitenden Konzernen tun.

Wir haben uns gefragt, wieso abertausende Fotos von Protesten bei flickr landen, auf heimischen Festplatten bleiben oder in Blogs und Unterseiten von Organisationen verschwinden. Wir denken, über gute Zugänglichkeit, Nutzer*innenfreundlichkeit, die Verfügbarkeit, die Suche/Verschlagwortung und nicht zuletzt Vertrauenswürdigkeit und Transparenz können wir diese Menschen davon überzeugen, die Distribution ihrer Fotos nicht Konzernen zu überlassen und/oder allen emanzipatorisch eingestellten Menschen leicht zur Verfügung zu stellen.

 

Joscha: Ganz meine Meinung! Das Projekt stellt eine weitere Entwertung der Arbeit von Fotografen dar. Nicht nur „die Möglichkeit der Entlohnung“, sondern mindestens die Pflicht, beim jeweiligen Fotografen nach einem Honorar zu fragen, ist das absolute Mindestgebot. Und selbst das ist gegenüber hauptberuflichen Fotografen schon schwierig genug. Ich mache bei diesem Projekt jedenfalls nicht mit.

Fotopia: Fotopia wird definitiv eine Funktion zur Spende an die Fotograf*innen enthalten. Wir möchten, dass die Urheber*innen nicht hinter ihren Werken verschwinden. Bei Agenturen, Verlagen usw. ist es heute leider üblich, per Einmalzahlung alle Rechte am Foto abzutreten. Das kritisieren wir. Jede*r, der*die bei fotopia ein Foto nutzt, kann und soll spenden. Fotopia wird ein Ort, wo die ohnehin schon vorhandenen freien Fotos im Netz – übrigens ohne einfache Spendenmöglichkeit in der Nähe – gesammelt werden.

 

Peter: Das ist aber nichts neues, liebe Leute. Warum nicht die vorhandenen Plattformen stärken, warum eine weitere Plattform aufmachen?

Fotopia: In der Tat ist das eine sehr berechtigte Frage. Wir haben die Projekte r-mediabase, Umbruch Bildarchiv und Arbeiterfotografie wahrgenommen und uns gut überlegt, ob sie nicht genau das repräsentieren, was uns vorschwebt. Mit den Leuten von Umbruch haben wir uns vor einiger Zeit auch persönlich getroffen. Was fotopia für uns einmalig macht, sind folgende Punkte:

  • es soll eine Plattform entstehen, wo Menschen (mit einem Account) sehr leicht Bilder hoch- und herunterladen können, 24 Stunden am Tag, eine Vereinsmitgliedschaft o.ä. ist nicht notwendig
  • die Fotos liegen ausschließlich digital vor
  • natürlich wünschen wir uns qualitativ hochwertige Fotos, Bilder hochladen kann grundsätzlich jede*r
  • jedem*jeder der*die einen freigegebenen Account hat, stehen alle Fotos sofort in High-Res zur Verfügung
  • die Bilder werden über eine umfangreiche Verschlagwortung und Suche sehr leicht zu finden sein
  • Bilder können bewertet und kommentiert werden, fotopia wird eine digitale Community im Netz
  • Die Creative Commons bieten ein bereits bekanntes, transparentes, einfach verständliches und funktionierendes Lizenzierungsmodel
  • Die Seite wird sich durch einfache Bedienung und hohe Benutzer*innenfreundlichkeit auszeichnen

Fotopia richtet sich nicht an die Menschen, die heute schon – vorbildlich – ihre Fotos über vorhandene progressive Fotoprojekte austauschen. Viel mehr richten wir uns an die, die es noch nicht tun. Wir haben uns gefragt, wieso abertausende Fotos von Protesten bei flickr.com landen, auf heimischen Festplatten bleiben oder in Blogs und Unterseiten von Organisationen verschwinden. Wir denken, über gute Zugänglichkeit, Nutzer*innenfreundlichkeit, die Verfügbarkeit, die Suche/Verschlagwortung und nicht zuletzt Vertrauenswürdigkeit und Transparenz können wir diese Menschen davon überzeugen, die Distribution ihrer Fotos nicht Konzernen zu überlassen und/oder allen emanzipatorisch eingestellten Menschen leicht zur Verfügung zu stellen. Für diese Idee suchen wir Unterstützer*innen.

 

Chris: Die üblichen „wirmachenwasmitmedien“-Typen, die alles besser machen und am Ende auch verdienen wollen. Nur der Fotograf, der kann dann von Credits und Namensnennung beim Aldi einkaufen gehen… Ich hasse solche Projekte. Wenn die Vereine, Stiftungen etc. Bilder haben wollen, dann sollen sie nicht immer nur Geld für Autoren, Mitarbeiter und Projektmittel einplanen, sondern auch dran denken, das ohne Dokumentation das ganze nicht stattgefunden hat und das Fotografen tatsächlich auch arbeiten für die Bilder.

Fotopia: Zum Glück bestehen Protestbewegungen nicht nur aus Vereinen und Stiftungen, eher zu sehr geringen Teilen. Für finanzkräftige Verbände ist fotopia nicht gedacht. Sie sollen für Fotos zahlen, denn sie haben Budgets. Fotopia ist für die Umweltinitiative aus NRW oder der Antifagruppe aus Bayern gedacht, die schnell ein Foto brauchen für ihren Mobi-Flyer oder ihre Webseite. Aber auch sie sollen nach Möglichkeit spenden.

Fotopia ist übrigens ein gemeinnütziger Verein. Wir wollen unter allen Umständen verhindern, dass unsere Idee durch Kommerzialisierung missbraucht wird.

 

Nick: Ich sehe noch nicht, wie eine Nutzung von Fotos durch bsp. Rechte unterbunden wird, wenn die Bilder unter CC laufen. Sieht für mich eher nach Kontrollverlust aus. Aber klar für Organisationen ist es ne Topidee.

Fotopia: Um Bilder bei Fotopia rauf- und herunterladen zu laden, wird es personalisierte Accounts geben. Dadurch kann bspw. ein*e Fotograf*in erkennen, wer die Fotos in welchem alternativen Medium genutzt hat. Es wird außerdem einen ethischen Codex geben, bei dem sich allen Nutzer*innen verpflichten, die Fotos nur für emanzipatorische Zwecke und unkommerziell zu nutzen und nach Möglichkeit für die Fotograf*innen zu spenden. Übrigens kann heute niemand ausschließen, dass Nazis Fotos etwa über die DPA usw. verwenden. Uns ist aber auch klar: total Kontrolle gibt es nicht – und wollen wir auch nicht, weil das dem freien Geist von fotopia widersprechen würde. Wenn es Missbraucht gibt, werden wir daraus lernen.

 

Chris: Wie oft habe ich Inis meine Bilder gegeben und die haben sie dann an Presse etc weitergereicht. Selbst mit dem Hinweis, das die Bilder nur für deren Arbeit gedacht ist. Das Problem ist eben diese „da find ich was“-Mentalität, die das ganze beschleunigen wird. Was wollt ihr machen, wenn ein Verein, „die Antifa“ wo auch immer, oder eine Umweltini das Bild erst mal hat und dann an die Medien raus gibt? Und mir somit einen potentiellen Kunden entzieht? Ihr merkt schon, das es nichtkommerzielle Nutzungskonzepte bereits gibt, diese aber grandios an der Realität scheitern. Nicht ohne Grund stelle ich meine Bilder nicht mehr unter CC-Lizenz ins Netz. Mir ist es lieber, wenn Projekte konkret anfragen und ich frei entscheiden kann wer sie nutzt. Mit manchen so genannten linken Projekten will ich zum Beispiel auch garnichts zu tun haben. Aus Gründen…

Fotopia: Du sprichst damit, so denke ich, wirklich relevante Probleme an, die es zu überdenken gilt. Zu allererst: auch wir haben nicht DAS fertige, wasserdichte Konzept. Nur weitreichende Ideen. Auch wir haben so unsere Erfahrungen mit Bilder und Daten im Netz… Unsere Plattform wird an der Realität wachsen müssen.

Zum Problem der Bilderweitergabe. Wir persönlich hätten kein großes Problem damit, Fälle, in den Verlage, Zeitungen usw. CCL Bilder missbräuchlich verwenden, abzumahnen. Wir sind sicher, es gibt viele linke Anwält*innen, die sich über leichte Zusatzverdienste freuen. Eine Plattform wie fotopia könnte Fotograf*innen sogar besser helfen, in diesen Fälle aktiv zu werden, denn wir haben die Strukturen, leicht coole Anwält*innen zu vermitteln, die mit der Materie vertraut sind.

Ich kann verstehen, dass du deine (teilweise schlechten) Erfahrungen gemacht hast und erstmal – völlig zurecht – skeptisch bist, wenn 4,5 Hanseln mit ihren Ideen daher kommen. Würde mir genauso gehen.

 

Chris: Und noch zwei Gedanken… Die wenigsten bis keiner verkauft seine Bilder an dpa etc. Und zweitens ist dieser personalisierte Zugang genau das Problem, woran es bei vielen Inis scheitern wird. Da wird niemand freiwillig seine Daten abliefern um an Bilder zu kommen. Zumindest nicht aus den Kreisen, die sonst bei mir für Bilder anfragen…

Fotopia: Das mit den Daten ist so eine Sache… Auch wir sind sehr skeptisch was Datenspuren im Netz Hinterlassen angeht. Aber das tun linke Gruppen ja heutzutage schon – wenn ihnen der Grund triftig genug erscheint: auf Facebook, bei WhatsApp, Twitter… viele Gruppen sind dort vertreten. Wir kommen übrigens teilweise aus Zusammenhängen, die zu Datensicherheit und Überwachung arbeiten und haben das sehr wohl auf dem Schirm. Wir finden, der Deal Foto gegen Transparenz ist kein so schlechter. Zumal, wenn die Nutzer*innen wirklich darauf vertrauen können, dass mit ihren Daten sorgsam umgegangen wird. Linke/alternative Dienste im Netz, die Vertrauenswürdigkeit ausstrahlen, werden auch von Linken sehr gut angenommen. Siehe JPBerlin, OpenWhisper/Signal oder Posteo.

 

Foto: CC BY 2.0, „Facebook“ von Sarah Marshall, flickr.com